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PCB — Polychlorierte Biphenyle

Kurzantwort

PCB sind eine Gruppe von 209 chlorierten Industriechemikalien, die wegen ihrer Beständigkeit als Weichmacher in Fugenmassen, in Anstrichen und als Isolierflüssigkeit in Kondensatoren eingesetzt wurden — in Gebäuden vor allem der Baujahre 1955 bis 1975. Seit 1989 sind Herstellung und Verwendung in Deutschland verboten. PCB sind persistent, reichern sich in der Nahrungskette an und gasen aus belasteten Bauteilen in die Raumluft aus; bewertet wird nach der PCB-Richtlinie.

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2026

Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Einzelfallberatung, Vor-Ort-Begutachtung oder rechtliche Prüfung. Diese Seite ist ein reiner Informations-Steckbrief.

Kurzprofil PCB
StoffgruppePolychlorierte Biphenyle — 209 Einzelverbindungen (Kongenere) unterschiedlichen Chlorierungsgrads
VerbotHerstellung und Verwendung in Deutschland seit 1989 verboten (PCB-Verbotsverordnung)
Typische MatrixDauerelastische Fugenmassen (v. a. 1955–1975), Anstriche und Beschichtungen, Kleinkondensatoren, Transformatoren
NachweisMaterialprobe per GC-MS (Kongenerenanalyse, üblich: 6 Indikator-PCB); Raumluftmessung durch Messstellen
BewertungRaumluft nach PCB-Richtlinie (ARGEBAU); Abfall: > 50 mg/kg = PCB-haltiger Abfall (PCB/PCT-AbfallV)
Analyse verfügbar?Nein — Informations-Steckbrief; eine Analyse hierfür ist bei Schadstoffalarm.de in Vorbereitung

Was sind PCB?

Kurz: Industriell hergestellte Chlorverbindungen, die chemisch fast unzerstörbar sind — genau das machte sie nützlich und macht sie heute zum Dauerproblem.

Polychlorierte Biphenyle wurden ab den 1930er-Jahren großtechnisch produziert: schwer entflammbar, elektrisch isolierend, chemisch stabil und als Weichmacher vielseitig. Die Gruppe umfasst 209 mögliche Einzelverbindungen (Kongenere), die sich im Chlorierungsgrad unterscheiden — niederchlorierte PCB sind flüchtiger und gasen aus Bauteilen aus, höherchlorierte binden stärker an Material und Staub.

Dieselbe Stabilität bedeutet: PCB bauen sich in der Umwelt kaum ab, reichern sich über die Nahrungskette an und wurden weltweit verteilt nachgewiesen. Deshalb wurden sie in Deutschland 1989 verboten und werden international über die Stockholm-Konvention beseitigt.

Wo kommen PCB in Gebäuden vor?

Kurz: Vor allem in dauerelastischen Fugenmassen des Betonfertigteilbaus (ca. 1955–1975), daneben in Anstrichen, beschichteten Deckenplatten und Kondensatoren.

  • Fugenmassen: Der Hauptfundort. Dauerelastische Dichtmassen zwischen Betonfertigteilen, an Fensteranschlüssen und Dehnfugen — typisch für Schulen, Hochschulen und Verwaltungsbauten der 1960er/70er.
  • Anstriche und Beschichtungen: Chlorkautschukfarben und flammhemmend ausgerüstete Beschichtungen, etwa auf Akustik-Deckenplatten.
  • Elektrotechnik: Kleinkondensatoren in alten Leuchtstofflampen-Vorschaltgeräten und Haushaltsgeräten; Transformatoren- und Hydrauliköle im industriellen Bestand.
  • Sekundärquellen: PCB wandern über Jahre in angrenzende Materialien — Beton neben belasteten Fugen, Putze, Möbeloberflächen und Hausstaub können selbst zur Quelle werden.

Das typische Szenario: Eine Kommune oder ein Käufer prüft ein Bestandsgebäude aus den 1960ern — und die unscheinbaren grauen Fugen zwischen den Fertigteilen werden zur zentralen Frage der Sanierungskalkulation.

Wie gesundheitsschädlich sind PCB?

Kurz: PCB sind persistent, reichern sich im Körper an und sind von der IARC als krebserzeugend für den Menschen eingestuft; chronische Wirkungen stehen im Vordergrund.

Anders als bei akut giftigen Stoffen geht es bei PCB um Langzeitwirkungen: Beschrieben sind unter anderem Effekte auf Leber, Immunsystem und Hormonhaushalt. Die Aufnahme erfolgt in der Allgemeinbevölkerung überwiegend über die Nahrung; in belasteten Gebäuden kommt die Raumluft hinzu, weil niederchlorierte Kongenere kontinuierlich aus Fugen und Beschichtungen ausgasen.

Für die Praxis heißt das: Nicht der einmalige Aufenthalt ist das Thema, sondern die dauerhafte Nutzung belasteter Räume — deshalb setzt die Bewertung bei Jahresmittelwerten der Raumluft an.

Wie werden PCB nachgewiesen?

Kurz: Materialproben werden per GC-MS auf die sechs Indikator-Kongenere untersucht; für Gebäudebewertungen kommen Raumluftmessungen durch Messstellen hinzu.

Da die Einzelbestimmung aller 209 Kongenere unpraktikabel ist, hat sich die Analyse von sechs Indikator-PCB etabliert; aus ihrer Summe wird nach der Konvention der PCB/PCT-Abfallverordnung der Gesamtgehalt hochgerechnet. Für Materialproben (z. B. ein Stück Fugenmasse) ist die GC-MS-Analyse Standard. Die Bewertung eines ganzen Gebäudes stützt sich zusätzlich auf Raumluftmessungen und die systematische Suche nach Primär- und Sekundärquellen — eine Aufgabe für erfahrene Objektuntersucher.

Ein Laborergebnis bezieht sich ausschließlich auf die eingesandte Probe: Eine unbelastete Fuge in Raum A schließt belastete Fugen in Raum B nicht aus.

Wie werden PCB-Befunde bewertet?

Kurz: Raumluft nach den Stufen der PCB-Richtlinie (ARGEBAU); Material und Abfall über den Gehalt — ab 50 mg/kg gilt Abfall als PCB-haltig.

Orientierungswerte der PCB-Richtlinie (ARGEBAU) für die Innenraumluft
Raumluftwert (Summe PCB)EinordnungKonsequenz
< 300 ng/m³langfristig tolerierbarKein unmittelbarer Handlungsbedarf
300–3.000 ng/m³erhöhtQuellen ermitteln, Belastung mindern (z. B. Lüftung, Reinigung), mittelfristig sanieren
> 3.000 ng/m³Interventionswert überschrittenSanierung erforderlich, Exposition zügig reduzieren

Für Abfälle gilt die PCB/PCT-Abfallverordnung: Material mit mehr als 50 mg/kg PCB ist PCB-haltiger Abfall und wird gesondert entsorgt. Alte Fugenmassen können diesen Wert deutlich überschreiten — unsachgemäßer Ausbau ohne Analyse verschleppt die Belastung in Staub, Nachbarmaterialien und Container.

Bei konkretem Verdacht führt der Weg über eine fachliche Objektuntersuchung. Eine Analyse hierfür ist bei Schadstoffalarm.de in Vorbereitung.

Häufige Fragen zu PCB

In welchen Gebäuden sind PCB zu erwarten?

Kurz: Vor allem in Beton- und Skelettbauten von ca. 1955 bis 1975 — Schulen, Hochschulen und Verwaltungsgebäude sind die Klassiker.

Wohnhäuser in Massivbauweise sind seltener betroffen; entscheidend sind Bauweise (Fertigteile mit Fugen) und Bauzeit.

Wie erkenne ich PCB-haltige Fugenmassen?

Kurz: Verdächtig sind dauerelastische Fugen der Bauzeit 1955–1975; sicher klärt es nur die GC-MS-Analyse einer Materialprobe.

Farbe und Konsistenz sind keine verlässlichen Kriterien — auch PCB-freie Massen derselben Zeit sehen ähnlich aus.

Sind PCB heute noch erlaubt?

Kurz: Nein — in Deutschland seit 1989 verboten; PCB begegnen uns nur noch als Altlast im Bestand.

Offene Anwendungen wie Fugenmassen wurden bereits in den 1970ern eingeschränkt; das vollständige Verbot folgte mit der PCB-Verbotsverordnung.

Wie gelangen PCB in den Körper?

Kurz: Überwiegend über die Nahrung; in belasteten Gebäuden zusätzlich über Raumluft und Hausstaub.

Niederchlorierte Kongenere gasen aus, höherchlorierte binden an Staub — beides zusammen begründet die Bewertung über Raumluft-Jahresmittelwerte.

Was bedeuten 300 und 3.000 ng/m³?

Kurz: Die Orientierungsstufen der PCB-Richtlinie: unter 300 tolerierbar, 300–3.000 erhöht (Quellen mindern), über 3.000 Sanierung erforderlich.

Die Werte beziehen sich auf die Summe PCB in der Innenraumluft als Dauerbelastung, nicht auf kurzzeitige Einzelmessungen.

Was tun bei einem PCB-Fund?

Kurz: Nicht selbst herausreißen. Objektuntersuchung, Raumluftmessung und ein geplantes Sanierungskonzept sind der richtige Weg.

Wegen der Sekundärquellen ist die Sanierung anspruchsvoller als „Fuge raus, fertig“ — auch benachbarte Materialien und Staub müssen betrachtet werden.

Wie werden PCB-haltige Abfälle entsorgt?

Kurz: Ab 50 mg/kg PCB als PCB-haltiger Abfall nach PCB/PCT-Abfallverordnung — getrennt und nachweisgeführt.

Die Deklaration stützt sich auf die Analyse der sechs Indikator-Kongenere; Entsorger verlangen die Werte vor Annahme.

Gibt es eine PCB-Analyse zum Bestellen?

Kurz: Diese Seite informiert nur; eine Analyse hierfür ist bei Schadstoffalarm.de in Vorbereitung.

Bei akutem Verdacht — etwa vor einem Gebäudekauf — ist die Objektuntersuchung durch Fachleute mit Material- und Raumluftproben der bewährte Weg.


Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Einzelfallberatung, Vor-Ort-Begutachtung oder rechtliche Prüfung. Ein Laborergebnis bezieht sich ausschließlich auf die eingesandte Probe.