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Das Schadstoff-Lexikon
Sechs Stoffgruppen bestimmen die meisten Schadstofffragen an Gebäuden und Baustoffen: PAK, Asbest, Chlorid, Kationen und Schwermetalle, künstliche Mineralfasern (KMF) und PCB. Dieses Lexikon führt für jede Gruppe auf, wo sie typischerweise steckt, mit welcher Methode sie nachgewiesen wird und nach welchem Maßstab das Ergebnis bewertet wird.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Einzelfallberatung, Vor-Ort-Begutachtung oder rechtliche Prüfung.
Welche Schadstoffe kommen in Gebäuden und Baustoffen vor?
Kurz gesagt: Am häufigsten geht es um Asbest (bis 1993 verbaut), PAK aus Teerprodukten, PCB-Fugenmassen, alte Mineralwolle, Chlorid im Beton und Schwermetalle in Anstrichen oder Wasser.
Die Master-Tabelle ordnet jede Stoffgruppe ihrem typischen Fundort (Matrix), der Analysemethode samt Norm und dem Bewertungsmaßstab zu — und zeigt, wofür eine Analyse bestellbar ist.
| Schadstoff | Typische Matrix | Analysemethode / Norm | Bewertungsmaßstab | Analyse verfügbar? |
|---|---|---|---|---|
| PAK (EPA-16) | Parkett-/Teerkleber, Dachbahnen, teerhaltiger Asphalt, Teerkork | Lösungsmittelextraktion, GC-MS; Summe der 16 EPA-PAK, Leitparameter Benzo[a]pyren | TRGS 551/UBA-Orientierung: < 50 mg/kg unbedenklich · 50–1.000 mit Vorsicht · > 1.000 erheblich | Ja |
| Asbest | Asbestzement, Floor-Flex-Beläge, Kleber, Putze, Spachtelmassen, Brandschutzplatten | REM/EDX nach VDI 3866 Blatt 5 (Materialprobe) | Qualitativ (asbesthaltig ja/nein); Arbeiten nur nach TRGS 519 | Ja |
| Chlorid | Beton (Bohrmehl in Tiefenstufen), Bauschutt (Eluat) | DIN EN 14629 (Beton); Eluat nach DIN 19528/19529 | ca. 0,4 M.-% bez. Zement (Stahlbeton), 0,2 M.-% (Spannbeton); LAGA-Z-Klassen | Ja |
| Kationen | Wasserproben (z. B. Brunnen-, Leitungswasser) | ICP-MS (Massenspektrometrie) | Anlassbezogen, z. B. Werte der Trinkwasserverordnung als Orientierung | Ja |
| Schwermetalle | Altanstriche, Böden, Bauschutt, Wasser, Aschen | ICP-MS nach Aufschluss bzw. Eluat | Matrixabhängig: LAGA-Z-Klassen, Trinkwasserverordnung | In Vorbereitung |
| KMF (Mineralwolle) | Dämmwolle in Dach, Wand, Decke, an Rohrleitungen | Faseranalyse (REM); meist entscheidend: Einbaujahr und Produktnachweis | Biopersistenz; kritisch v. a. Einbau vor ca. 2000; Arbeiten nach TRGS 521 | Nein — Informations-Steckbrief |
| PCB | Dauerelastische Fugenmassen, Anstriche, Kondensatoren, Deckenplatten | GC-MS (Kongenerenanalyse) | PCB-Richtlinie (Innenraumluft); Abfall: PCB/PCT-Abfallverordnung | Nein — Informations-Steckbrief |
Alle Angaben mit Norm- bzw. Quellenbezug; Details und Einordnung im jeweiligen Steckbrief. Ein Laborergebnis bezieht sich ausschließlich auf die eingesandte Probe. Wichtig bei Bohrmehlproben: Spannbeton niemals selbst anbohren.
Die Steckbriefe
Jeder Steckbrief folgt demselben Aufbau: Definition, Vorkommen, Gesundheitsrisiko, Nachweis und Norm, Bewertung — plus Antworten auf die häufigsten Fragen.
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Steckbrief I
PAK — Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
Analyse verfügbarTeerkleber unter Dielen, alte Dachbahnen, schwarzer Asphalt: PAK sind das Erbe der Teer-Ära. Bewertung nach TRGS 551.
Zum PAK-Steckbrief → -
Steckbrief II
Asbest
Analyse verfügbarBis 1993 verbaut, mit dem Auge nicht erkennbar. Nachweis per REM/EDX nach VDI 3866 Blatt 5 — mit strengen Regeln für die Probenahme.
Zum Asbest-Steckbrief → -
Steckbrief III
Chlorid
Analyse verfügbarTausalz frisst Bewehrung: Chlorid gefährdet Parkdecks und Tiefgaragen. Analyse nach DIN EN 14629 oder im Eluat für die Entsorgung.
Zum Chlorid-Steckbrief → -
Steckbrief IV
Kationen & Schwermetalle
Kationen-Analyse verfügbarVon Calcium bis Blei: Die ICP-MS misst Elementgehalte in Wasserproben präzise bis in den Spurenbereich.
Zum Steckbrief → -
Steckbrief V
KMF — Künstliche Mineralfasern
Informations-SteckbriefAlte Mineralwolle (Einbau vor ca. 2000) gilt als potenziell krebserzeugend. Meist zählt das Einbaujahr mehr als die Laboranalyse.
Zum KMF-Steckbrief → -
Steckbrief VI
PCB — Polychlorierte Biphenyle
Informations-SteckbriefFugenmassen und Anstriche der Baujahre 1955–1975 können PCB enthalten — ein persistenter Innenraumschadstoff.
Zum PCB-Steckbrief →
Wie finde ich den passenden Steckbrief für meinen Fall?
Kurz gesagt: Gehen Sie vom Anlass aus — Renovierung, Hauskauf, Wasserschaden, Abbruch oder Entsorgung — und vom Baujahr des Gebäudes. Beides zusammen grenzt die Verdachtsstoffe stark ein.
- Renovierung im Altbau: Schwarzer, zäher Kleber unter Parkett oder Dielen? Zum PAK-Steckbrief. Floor-Flex-Platten, alte Putze oder Nachtspeicheröfen (Baujahr bis 1993)? Zum Asbest-Steckbrief.
- Hauskauf: Baujahr prüfen. Bis 1993 ist Asbest möglich, bis in die 1970er teerhaltige Kleber und Bahnen, 1955–1975 zusätzlich PCB-Fugenmassen, Dämmwolle vor ca. 2000 alte KMF.
- Tiefgarage, Parkdeck, Brücke: Rostfahnen, Abplatzungen, Tausalzeinsatz? Zum Chlorid-Steckbrief (Betonanalyse nach DIN EN 14629).
- Brunnen- oder Trinkwasserfrage: Metallischer Geschmack, alte Leitungen, eigener Brunnen? Zum Steckbrief Kationen & Schwermetalle.
- Abbruch und Entsorgung: Für die Deklaration von Bauschutt zählen Eluatwerte (DIN 19528/19529) und LAGA-Z-Klassen — relevant bei Chlorid, PAK und Schwermetallen.
Wie läuft eine Schadstoffanalyse im Labor ab?
Kurz gesagt: Probe entnehmen, verpacken, einsenden — das Labor analysiert mit dem stoffspezifischen Verfahren, und Sie erhalten einen Befund mit Messwerten und Einordnung.
Der Ablauf ist bei allen Stoffgruppen ähnlich: Sie entnehmen eine Materialprobe (bei Asbest nur unter Schutzmaßnahmen, siehe Steckbrief) oder füllen eine Wasserprobe ab, verpacken sie dicht und versenden sie. Die Auswertung erfolgt in DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren (DIN EN ISO/IEC 17025). Der Befund nennt die Messwerte und den einschlägigen Bewertungsmaßstab — etwa die TRGS-551-Stufen bei PAK oder den qualitativen Asbestnachweis nach VDI 3866 Blatt 5.
Wichtig für die Einordnung: Ein Laborergebnis bezieht sich ausschließlich auf die eingesandte Probe. Wer ein ganzes Gebäude beurteilen will, braucht mehrere Proben aus repräsentativen Bereichen.
Wenn Sie sichergehen wollen
Für PAK, Asbest, Chlorid und Kationen können Sie die passende Laboranalyse direkt bestellen — Probenahme in Eigenregie, Auswertung in DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren (DIN EN ISO/IEC 17025). Aktuelle Preise und Optionen finden Sie auf schadstoffalarm.de.
Analyse bei Schadstoffalarm.de bestellenHäufige Fragen zum Schadstoff-Lexikon
Welcher Schadstoff ist bei meinem Baujahr wahrscheinlich?
Kurz: Bis 1993 Asbest möglich, bis in die 1970er PAK-haltige Teerprodukte, 1955–1975 PCB-Fugen, Mineralwolle vor ca. 2000 alte KMF.
Das Baujahr liefert nur den Anfangsverdacht: Auch spätere Reparaturen können Altmaterial enthalten, und umgekehrt wurden viele Altbauten längst saniert. Gewissheit über ein konkretes Material gibt erst die Analyse.
Kann ich Materialproben selbst entnehmen?
Kurz: Häufig ja — mit stoffspezifischen Schutzregeln. Bei Asbest gelten strenge Vorgaben, Spannbeton dürfen Sie niemals selbst anbohren.
Kleber-, Belags- oder Wasserproben sind in Eigenregie gut machbar. Der Asbest-Steckbrief beschreibt die Pflicht-Schutzmaßnahmen (anfeuchten, nicht bohren/schleifen/brechen, FFP2-Maske); beim Chlorid-Steckbrief steht, warum Bohrmehl nur aus normalem Stahlbeton stammen darf.
Was bedeutet „DAkkS-akkreditiertes Labor“?
Kurz: Die Deutsche Akkreditierungsstelle bestätigt nach DIN EN ISO/IEC 17025, dass ein Labor die jeweiligen Prüfverfahren kompetent beherrscht.
Die Akkreditierung ist verfahrensbezogen: Sie gilt für die im Akkreditierungsumfang gelisteten Prüfungen. Die Auswertung erfolgt in DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren (DIN EN ISO/IEC 17025).
Wie aussagekräftig ist ein einzelnes Laborergebnis?
Kurz: Es ist exakt für die untersuchte Probe gültig. Ein Laborergebnis bezieht sich ausschließlich auf die eingesandte Probe.
Ein Gebäude kann in Raum A belastetes und in Raum B unbelastetes Material enthalten — etwa wenn nur ein Teil der Böden neu verklebt wurde. Für flächige Aussagen sind mehrere Proben nötig, bei Beton zusätzlich Tiefenprofile.
Warum gibt es für KMF und PCB keine Bestellmöglichkeit?
Kurz: Beide Steckbriefe sind reine Informationsseiten — für diese Stoffe bietet Schadstoffalarm.de derzeit keine Analyse an.
Bei alter Mineralwolle ist das Einbaujahr in der Praxis oft aussagekräftiger als eine Laboranalyse; bei PCB entscheidet meist eine Objektuntersuchung mit Raumluftmessung. Beides gehört in erfahrene Hände.
Welche Normen sind die wichtigsten?
Kurz: TRGS 551 (PAK), VDI 3866 Blatt 5 und TRGS 519 (Asbest), DIN EN 14629 (Chlorid in Beton), LAGA PN 2/98 und DIN 19528/19529 (Bauschutt/Eluat).
Die Master-Tabelle oben ordnet jede Norm ihrer Stoffgruppe zu; in den Steckbriefen wird erklärt, was die jeweilige Regel praktisch bedeutet.
Reicht eine Sichtprüfung, um Schadstoffe auszuschließen?
Kurz: Nein. Kein relevanter Bauschadstoff lässt sich per Augenschein sicher erkennen oder ausschließen.
Schwarzer Kleber kann harmloses Bitumen oder PAK-haltiger Teer sein; ein unauffälliger Putz kann Asbest enthalten; klares Wasser kann Schwermetalle führen. Deshalb gilt die Grundregel dieses Lexikons: erst prüfen, dann entscheiden.
Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Einzelfallberatung, Vor-Ort-Begutachtung oder rechtliche Prüfung. Ein Laborergebnis bezieht sich ausschließlich auf die eingesandte Probe.